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KANBAN ist eine Methode der Produktionssteuerung nach dem Holprinzip.

Im Gegensatz zur angebotsorientierten Produktion (Push-Prinzip), bei der Nachfrageschwankungen über Lagerbestände ausgeglichen werden, um den Produktionsprozess möglichst gleichförmig zu halten, ist KANBAN bedarfsorientiert. Schwankungen im Bedarf werden durch eingeplante Überkapazitäten in Kombination mit einer flexiblen Fertigung abgefangen.

Die wichtigsten Elemente des KANBAN-Systems sind:

  • Schaffung vermaschter, selbststeuernder Regelkreise zwischen erzeugenden und verbrauchenden Bereichen,

  • Implementierung des Holprinzips für die jeweils nachfolgende Verbrauchsstufe,

  • Flexibler Personal- und Betriebsmitteleinsatz,

  • Übertragung der kurzfristigen Steuerung an die ausführenden Mitarbeiter mit Hilfe eines

  • Speziellen Informationsträgers, der KANBAN-Karte.

Für einen reibungslosen Ablauf einer solchen Produktionssteuerung sind folgende Voraussetzungen zu beachten:

  • Harmonisierung des Produktionsprogramms

  • Ablauforientierte Betriebsmittelgestaltung und -anordnung (Fließprinzip)

  • Harmonisierung der einzelnen Kapazitätseinheiten,

  • Minimierung der Rüstzeiten durch technische und organisatorische Maßnahmen sowie die

  • Gewährleistung, dass nur einwandfreie Teile an den Verbraucher oder die nächste Fertigungsstufe weitergegeben werden.

Das Holprinzip im KANBAN-System sollte mit möglichst einfachen organisatorischen Mitteln verwirklicht werden. Deshalb wird als Informationsträger ein KANBAN-Karte (jap. für „Karte“ oder „Schild“) gewählt. Solche Karten enthalten folgende Stammdaten:

  • Artikel- oder Teilenummer

  • Skizze

  • Name des Artikels oder Bauteiles

  • Behälterart

  • Anzahl der Teile je Behälter

  • Herkunft der Teile

  • Adresse der Teile

  • Registriernummer der Karte

  • und Wiederbeschaffungszeit der produzierenden Stellen

Außerdem können noch andere Informationen, wie Arbeitsanweisungen, zu verwendende Werkzeuge oder Prozessparameter, auf dem KANBAN vermerkt werden. Die für den Kreislauf zwischen produzierender Stelle und Lager eingesetzten Karten werden Produktions-KANBAN, die zwischen Lager und Verbrauchsstelle verwendeten Transport-KANBAN genannt. Karten für Eilaufträge und Sicherheitsbestände tragen zusätzlich spezielle Markierungen. Daneben finden noch weitere Karten Anwendung, z.B. Einkauf-, Laufkarten, Sonder- und Lager-KANBAN.

Ein KANBAN wird jeweils zwischen einer Materialquelle und einer Materialsenke, d.h. nicht über mehrere Regelkreise hinweg, verwendet. Um das gesamte Materialflusssystem mit einem KANBAN-System ausstatten zu können, wird es mit einem Netzwerk aus vermaschten Regelkreisen überzogen. Dabei werden die Produktionsaktivitäten über die Karte (KANBAN) in Form einer rückläufigen Informationskette und einer vorwärtslaufenden Materialflusskette verknüpft. Zur Sicherstellung eines geordneten, flexibel auf Schwankungen des Materialbedarfs und auf Störungen reagierenden Materialflusses ist folgender Ablauf vorgesehen: Beim Eintreffen eines KANBAN beginnt die erzeugende Stelle (Quelle) das angegebene Material bereit- oder herzustellen und in der vorgeschriebenen Menge in einem standardisierten Behälter abzulegen. Im allgemeinen entspricht eine Karte einem Behälterinhalt und ist damit gleichzeitig Auftrag für die Fertigung von Teilen. Sobald die vorgeschriebene Teilezahl im Behälter abgelegt ist, wird die Karte beigefügt und der Behälter zusammen mit der Karte zu der angegebenen Adresse (Senke) geschickt oder bei festgelegten Transportvorgängen auf einer entsprechend markierten Fläche für den Transport zur Verfügung gestellt. Wenn bei der Senke ein vorgegebener Mindestbestand erreicht oder unterschritten ist, wird die Karte (KANBAN) abgetrennt und zur Quelle zurückgeschickt.

Der zentralen Produktionssteuerung im KANBAN-System kommt die Aufgabe zu, neue Aufträge einzulasten und den Auftragsfortschritt durch Registrieren der Anzahl der Kartenumläufe zu überwachen. Eine weitere Aufgabe besteht darin, neue KANBAN-Regelkreise zu dimensionieren und bei Änderungen diese anzupassen.