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Als Lagerverwaltungssystem oder LVS wird die Software bezeichnet, die die Steuerung der Lagerprozesse verwaltet.

Das Lagerverwaltungssystem ist auf dem Lagerverwaltungsrechner (LVR) lauffähig und ist in der Regel modular aufgebaut. Die folgenden Basisfunktionalitäten sind, entsprechend ihrer Anwendung in den verschiedenen Lagerbereichen, in allen Lagerverwaltungssystemen enthalten:

  1. Wareneingangsabwicklung

  2. Auftragsbearbeitung

  3. Kommissionierung

  4. Lagerverwaltung

  5. Versand

  6. Inventur

Wareneingangsabwicklung: Die wesentlichen auf die Informationstechnik bezogenen Aufgaben der Wareneingangsabwicklung sind die artikelspezifische Eingangserfassung mit Abgleich der Bestellung, die Alokierung (Zuordnung) der Ware zu freien Lagerplätzen, ggf. die Auszeichnung der Ware mit Transport und Artikeletiketten. Zusätzliche Prozesse, die datentechnisch abgebildet werden müssen, sind beispielsweise die Rechnungskontrolle und die Qualitätsprüfung, ggf. mit Verwaltung einer Datenbank zur Dokumentation und Beurteilung von Lieferanten und ihrer Leistung.

Auftragsabwicklung: Teil der informationstechnischen Seite der Auftragsabwicklung ist das Herunterladen der Auftragsdaten vom übergeordneten Warenwirtschaftssystem (WWS) in das LVS. Im Anschluss hieran erfolgt eine Aufbereitung der einzelnen Auftragszeilen, d.h. eine Sortierung und Konsolidierung der bestellten Artikel und ihren Mengen, entsprechend der gewählten Entnahmestrategie oder des vorliegenden Auftragstyps (z.B. Normal- oder Eilauftrag). Dieser Prozess wird begleitet von ablaufenden Optimierungsalgorithmen, die z.B. kürzeste Kommissionierwege ermittelt oder Entnahme am Fach mit notwendigen Nachschubbewegungen verbindet.

Kommissionierung: Die DV-technische Unterstützung der Kommissionierung ist abhängig vom Grad der eingesetzten Technologie. In der einfachsten Form erfolgt lediglich ein Ausdruck einer Entnahmeliste, die vom Kommissionierpersonal angearbeitet und verwaltet wird. In der Regel erfolgt eine Rückmeldung an das System nach Abschluss einer Kommissioniertour durch manuelle Auswertung (bspw. bzgl. Fehlbeständen) und Eingabe in einen PC. In automatisierten Lagerumgebungen ist die beleglose Kommissionierung weit verbreitet. Die Ansprüche an das Lagerverwaltungssystem sind hierbei hoch, da Daten in der Regel in Echtzeit abgearbeitet werden müssen, ohne dabei lange Wartezeiten auf Grund von Systemreaktionszeiten (Response Time) zu verursachen. Typische Informationen, die online bereit gestellt werden müssen, sind beispielsweise die Anzeige von Lagerfächern oder –fachnummern sowie eine Meldung bezüglich der Entnahmemengen, die die schnelle Auffindung und die Kommissionierung der korrekten Artikelanzahl ermöglichen. Andere Anwendungen sind das automatische Einlesen der Fachnummern mit Handterminals und Scannern zur Sicherstellung der richtigen Fachdisposition.

Lagerverwaltung: Unter der eigentlichen Lagerverwaltung wird primär die Organisation und Kontrolle von Reserve und Kommissionierlagerbereichen verstanden. Diese beinhaltet die automatische Bestandsführung pro Lagerfach und Lagerzone sowie der Bestandsaktualisierung auf Basis der aus den Lagerbereichen auflaufenden Rückmeldungen. In diesem Zusammenhang darf auch die Gesamtkoordination der so genannten unterlagerten Steuerungen nicht unerwähnt bleiben. Diese, gewöhnlich durch PCs oder Speicher-programmierbare-Steuerung (SPS) realisierte Elemente im Datennetzwerk des Lagerhauses, sind für die Ansteuerung automatischer Anlagenteile verantwortlich. Durch installierte Sensoren (z.B. Lichtschranken, Positionsschalter, Kontaktschleifen) und Aktoren (z.B. Elektromotoren) werden Bewegungen von Regalbediengerät, automatischen Umlaufregalen oder fahrerlosen Transportsystemen erkannt bzw. initiiert. Das Lagerverwaltungssystem wertet die konsolidierten Informationen aus und aktualisiert die entsprechenden Datenbanken. Zudem besteht die Möglichkeit, die eintreffenden Informationen für die Prozessvisualisierung aufzubereiten.

Versand: Wesentliche Aufgabe des Lagerverwaltungssystems bei Versandaktivitäten ist ,die artikelspezifische Warenausgangserfassung mit Aktualisierung der Bestandsdaten und ggf. der Ermittlung von Bestellvorschlägen. Des Weiteren werden in vielen Fällen alle Funktionen unterstützt, die die Packprozesse optimieren. Hierzu zählen Vorschläge bezüglich Kartongrößen und Packreihenfolge sowie die Erstellung von Packlisten. Abschließend werden Ladelisten erzeugt und entweder ausgedruckt oder elektronisch an den Empfänger der Ware weitergeleitet.

Inventur: Zentrale Funktionalität des Lagerverwaltungssystems ist die Auswertung der Bestandsmengen zwecks Inventur und Kontoführung. In Echtzeit-Systemumgebungen kann die Inventur permanent durchgeführt werden, wobei die automatische Erkennung von Fehlmengen realisiert werden kann. Aber auch die manuelle Inventur, d.h. das Überprüfen der Artikelmengen durch zählen am Fach, kann durch das Lagerverwaltungssystem effizient unterstützt werden, z.B. durch statische Analysen (Stichprobenumfang) und Vorschläge bezüglich der zu überprüfenden Lagerplätze. Weitere Elemente des Lagerverwaltungssystems sind normalerweise Unterprogramme zur Produktionsplanung, d.h. der Steuerung von Geräten und Ressourcen entsprechend der erwarteten Arbeitsbelastung, sowie Instrumente zur Leistungsüberwachung.

Bei der Auswahl von Lagerverwaltungssystemen stehen Unternehmen i.A. vor der schwierigen Entscheidung, eine Standardsoftware zu erwerben oder eine Individualsoftware zu entwickeln bzw. zu programmieren. Generell ist zu beachten, dass die Software stets die physischen Prozesse unterstützen sollte, d.h. das üblicherweise Programme an bestehende Abläufe angepasst werden sollten, sofern diese als optimal angesehen werden. Daher bietet sich gelegentlich auch die Anpassung von Standardsoftware an die eigenen Anforderungen als Alternative an. Entscheidend für derartige Lösungen ist ein modularer Aufbau der Standardlösung mit entsprechenden Schnittstellen, die eine Einbindung von eigenen Programmteilen ermöglicht.


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