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Logistikkennzahlen bezeichnen die Zahlen, mit denen die quantitativ erfassbaren Sachverhalte des Logistikbereiches in konzentrierter Form wiedergegeben werden können.

Logistikkennzahlen gehören zu den zentralen Instrumenten des Logistikcontrollings und dienen der Vermittlung eines schnellen und komprimierten Überblicks über die komplexen Logistikstrukturen, vor allem über optimale Logistikkosten- und –leistungsrelationen entlang der Logistikkette des Unternehmens.

Charakter der Logistikkennzahlen

Logistikkennzahlen sind durch ihren Informationscharakter, die Quantifizierbarkeit und ihre spezifische Form charakterisiert. Sie können als absolute Größen (d.h. als Summen oder Differenzen) oder als relative Kenngrößen in Form von Beziehungs-, Gliederungs- oder Indexzahlen vorliegen. Als Träger aggregierter (verdichteter) Informationen wird bei ihrer Ermittlung bewusst auf die letzte Genauigkeit zugunsten eines schnellen Überblicks verzichtet. Die Festlegung der Logistikkennzahleninhalte und –werte orientiert sich an den jeweiligen Analysezielen (Soll-Ist-Abweichungsanalysen, Zeitreihenanalysen etc.).

Die Abbildung unternehmenslogistischer Prozesse durch Logistikkennzahlen erfolgt mit dem Ziel, die Bereitstellung der benötigten Güter in der richtigen Menge und der richtigen Qualität zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort (technische Zielausprägung der Logistik) mit den optimalen Kosten-Leistungsrelationen sicherzustellen (wirtschaftliche Zielausprägung der Logistik). Im Mittelpunkt steht also die laufende Wirtschaftlichkeitskontrolle und die entscheidungsvorbereitende Informationsversorgung für die Logistikfunktionen, welche im Hinblick auf die Erfolgszielsicherung und –erreichung als wesentlich anzusehen sind.

Für die Logistik als Querschnittsfunktion geht es primär um die wirtschaftliche Bereitstellung der Materialien und Zwischen- bzw. Fertigprodukte. Die Auswirkung von gegenläufigen Zielforderungen in der Logistik, z.B. einen möglichst hohen Lieferbereitschaftsgrad zu geringen Logistikkosten (z.B. durch Verringerung von Lagerbeständen und des darin gebundenen Kapitals, Durchlaufzeitenreduzierung etc.) zu gewährleisten, erfordert eine permanente Planung und Kontrolle der kosten- und leistungsverursachenden

Logistikbereiche. Zur Durchführung aussagefähiger Wirtschaftlichkeitsanalysen, bietet sich vor allem die Bildung von relativen Kennzahlen (Input-Output-Relationen) auf Basis von Kosten-Leistungs-Vergleichen an. Dabei ist zu beachten, dass den Inputgrößen (Logistikkosten) unterschiedliche Leistungsgrößen gegenübergestellt werden können. Zur Messung von Effizienz und Wirtschaftlichkeit haben sich als Spitzenkennzahlen für den Logistikbereich die „Gesamtumschlagshäufigkeit aller Bestände“ und der „Lieferbereitschaftsgrad“ durchgesetzt.

Auf der Grundlage dieser Logistikkennzahlen kann das Controlling dann Vorschläge zur Verbesserung der gesamten Wirtschaftlichkeit, sowie zu den Möglichkeiten der Anpassung an wechselnde Beschäftigungslagen erarbeiten. Im Rahmen detaillierter Abweichungsanalysen ist es empfehlenswert, die genannten (Spitzen-)Kennzahlen auf die verschiedenen Bereiche der Logistikkette herunter zu brechen, insbesondere auf den Bereich der Materialwirtschaft, auf den Produktionslogistikbereich und auf den Bereich der Distributionslogistik.

Logistische Einzelkennzahlen erfüllen eine Dokumentationsfunktion, indem sie die unternehmenslogistischen Zustände und Prozesse vergangenheitsbezogen abbilden. Da die Aussagefähigkeit von Einzelkennzahlen jedoch begrenzt ist und mehrdeutige Kontextzuordnungen oder übermäßige Verdichtungen von Sachverhalten zu Fehlschlüssen führen können, empfiehlt es sich, die Kennzahlen in einen geordneten systematischen Zusammenhang zu stellen (Logistikkennzahlensystem). Die wesentliche Informationsgrundlage für aussagefähige Logistikkennzahlen und Kennzahlensysteme ist dabei eine entsprechend aufgebaute Logistikkosten- und –leistungsrechnung.